Führen & Grenzen setzen

„So reden wir hier nicht!“ – Machen Sie angemessene Sprache gegenüber Kindern zur Leitungsaufgabe

„Jetzt sei endlich still!“, „Stell dich nicht so an!“, „Du bist ja schlimmer als ein Baby!“ – Sätze wie diese fallen in manchen Kitas im Alltag. Auch gut gemeinte Kosenamen […]
Rechtsanwältin Judith Barth

Judith Barth

04.04.2026 · 3 Min Lesezeit

„Jetzt sei endlich still!“, „Stell dich nicht so an!“, „Du bist ja schlimmer als ein Baby!“ – Sätze wie diese fallen in manchen Kitas im Alltag. Auch gut gemeinte Kosenamen wie „Schatz“ oder „Mäuschen“ sind grenzüberschreitend und unprofessionell. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung – und dazu gehört auch die Sprache.

Beispiel

Anschreien beim Mittagessen
In der Kita „Sternenland“ kippt ein 4-Jähriger beim Mittagessen absichtlich seinen Teller um. Die Erzieherin ruft laut: „Bist du zu blöd zum Essen?! Wisch das sofort auf! Was soll der Scheiß?“ Eine Kollegin hört es, sagt aber nichts. Die Leitung erfährt erst Tage später aufgrund einer Elternbeschwerde davon. Sie fragt sich, wie sie auf diese verbale Entgleisung reagieren soll.

Rechtsgrundlage: Gewaltschutzkonzept

Kinder haben nach § 1631 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Dazu zählen ausdrücklich auch seelische Verletzungen und entwürdigende Maßnahmen – also Anschreien, Bloßstellen, Beschämen und Einschüchtern. Seit Einführung des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes im Jahr 2021 muss jede Kita nach § 45 Abs. 2 Nr. 4 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII über ein Gewaltschutzkonzept verfügen, das auch verbale Gewalt erfasst. Ereignisse, die das Kindeswohl gefährden können, muss der Träger nach § 47 SGB VIII dem Landesjugendamt melden. Ein wiederholtes Anschreien von Kindern kann daher eine Meldepflicht auslösen.

Das ist zu tun: Klare Sprachregeln vereinbaren

Sprachliche Gewalt kann genauso verletzen und verunsichern wie körperliche Gewalt. Daher müssen Sie im Team klare Regeln vereinbaren, welche Sprache von den Fachkräften erwartet und wie mit Grenzüberschreitungen von Kindern und Erwachsenen umgegangen wird.

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